Zum Ende des 1. Halbjahres verabschiedete sich Ulrich Brötz, Oberstufenkoordinator am Städtischen Gymnasium Bergkamen, in den Ruhestand. Schulleiterin Bärbel Heidenreich, die Fachschaften, der Lehrerrat, Kollegium und Schulgemeinde bedankten sich herzlich für die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit in den vergangenen zwölf Jahren.

Nach dem Studium der Fächer Physik und Technik in Essen, absolvierte Ulrich Brötz sein Referendariat am Bischöflichen Ganztagsgymasium in Essen-Stoppenberg, eine der wenigen Gymnasien, die bereits das Fach Technik anboten. In dieser Zeit zeichnete sich jedoch immer deutlicher ein Einstellungsstopp für Lehrkräfte in NRW ab, so dass er zunächst mit seiner physikalisch-technischen Ausbildung als Fachberater bei der Lehrmittelfirma Phywe tätig war. „Wider Erwarten bekam ich während dieser Tätigkeit Post aus Arnsberg mit dem Bescheid einer Anstellung als Studienrat an der Gesamtschule Lünen-Mitte, der späteren Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Natürlich trat ich diese Stelle an“, erzählt Brötz. Die Schule war im Aufbau und gerade im 7. Jahrgang. Dadurch habe sich ihm die Gelegenheit geboten, sowohl die Ausstattung in Physik als auch den kompletten Aufbau des Faches Technik in der gymnasialen Oberstufe aktiv mitzugestalten. Gemeinsam mit einem Kollegen und der Flugsportgruppe Lünen, gründete Brötz zudem die Schüler-Fluggemeinschaft Lünen, deren Protektor er für einige Jahre war. Zusammen mit seinen Schülern lernte er das Segelfliegen.

Die Oberstufe hatte bereits früh sein Interesse geweckt. 1994 führte er als Beratungslehrer an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Lünen seinen ersten Jahrgang zum Abitur, insgesamt begleitete er drei Jahrgänge hintereinander auf diesem Weg. „Währenddessen hatte ich 1993 die Gelegenheit über eine Fortbildung das Internet in seinen absoluten Anfängen kennenzulernen“; berichtet Ulrich Brötz.

1994 brachte er mit diesem Wissen die Geschwister-Scholl-Gesamtschule mit einem PC ins Internet. Es folgte der Aufbau eines schulweiten Computernetzes mit Internet-Anschluss, den er mit großem Engagement begleitete. In dieser Zeit fungierte er knapp zehn Jahre als Moderator in der Lehrerfortbildung für „Schulen ans Netz“ und war auch „Senior-Master-Teacher“ für eine breit angelegte Intel-Fortbildung im Raum der Bezirksregierung Arnsberg. Zudem engagierte er sich als Mitautor bei zwei Bänden des Materialien-Handbuchs Physik beim Aulis-Verlag.

Im Jahr 2002 wechselte er als EDV-Koordinator an die Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Dortmund-Brackel. „Neben der pädagogischen Implementation neuer Medien in den Unterricht installierte ich ein Verwaltungsnetz zur kompletten Verwaltung aller Schülerdaten der Sekundarstufen I und II in einem Programm, wobei ich intensiv die Verwaltung der Sekundarstufe II betreute. Dabei kam mir meine Erfahrung als Beratungslehrer zugute“, blickt Ulrich Brötz zurück. Zudem vertrat er dort die erkrankte Oberstufenleitung für geraume Zeit.

Ulrich Brötz übernahm 2008 schließlich die Stelle des Oberstufenkoordinators am Bergkamener Gymnasium. Auch hier installierte er auf Grund seiner Erfahrung ein Server basiertes Verwaltungsnetz. „Insofern bot sich mir ein interessantes Betätigungsfeld, da ich mich in Bergkamen neben der Oberstufe auch der Aufgabe widmen konnte, Verwaltungsprogramme in Computernetzen zusammenzuführen“, erinnert sich Ulrich Brötz.

Neben seinem Engagement im Bereich Verwaltung und Organisation blieb er stets ein glühender Fan seiner Fächer, insbesondere weil Physik im Allgemeinen gerne als „recht sprödes Fach empfunden“ werde. „Mir war es immer wichtig, dieses Fach im Zusammenhang mit dem Alltag zu sehen. Ich wollte den Schülern vermitteln, dass wir inmitten von physikalischen Zusammenhängen stehen und es letztlich auch Spaß machen kann, diese Zusammenhänge zu erkennen“, erläutert Ulrich Brötz. Ähnliches gilt für das Fach Technik: „Es beschäftigt sich aufgrund der Aktualität des Faches ohnehin mit Inhalten, die täglich in der Presse sind. Insofern war mir wichtig, den Schülern den Input zu geben, der es ihnen möglich macht, eigene Lösungen für technische Probleme zu finden und Dinge in größeren Zusammenhängen zu sehen.“

Die Tätigkeit des Oberstufenkoordinators wusste er über die Jahre zu schätzen. „Insbesondere im Bezug auf die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den sechs Beratungslehrerinnen und Beratungslehrern war das sowohl in fachlicher Hinsicht als auch im Umgang miteinander eine großartige Zeit. Besonders am Herzen lag mir die ‚offene Tür‘ zum Oberstufenbüro und der ernstzunehmende Dialog mit den Schülern“, betont Ulrich Brötz rückblickend. Das System Schule hat er immer als Herausforderung und Antrieb zugleich gesehen, hier zitiert er gern Erfolgscoach Jürgen Klopp, der einmal sinngemäß sagte: „Ich glaube nicht daran, dass die Angst vorm Verlieren stärker antreibt als die Lust aufs Gewinnen.“ Seine Erfahrung zeigt ihm, dass dies in gleicher Weise auch auf die Motivation von Schülerinnen und Schülern zutreffe.

Wer nun Sorge hat, Ulrich Brötz könne sich während seines Ruhestandes langweilen, den kann er schnell beruhigen, seine Interessen und Hobbies sind vielfältig und herausfordernd: „Ich weiß nicht, was ich zuerst und was zuletzt machen soll“, lacht er. Somit war die Aufgabe für Tag eins des Ruhestandes allerdings klar umrissen: „Das ist ein Samstag. Da ich mir keine Gedanken mehr um den Unterricht am Montag machen muss, werde ich mir überlegen, was ich demnach zuerst machen werde.“

Brötz

 

Die Aufnahme zeigt Oberstufenkoordinator Ulrich Brötz (links) mit Patrick Lages, der seine Aufgaben zunächst kommissarisch übernehmen wird. Foto: Pytlinski/SGB