Die Fachschaft LATEIN am SGB

Wir am Gymnasium Bergkamen sind in der glücklichen Position, über eine recht große Fachschaft Latein zu verfügen. Derzeit unterrichten sieben Kolleginnen und Kollegen dieses klassische Fach am SGB:

Lehrende
Annette Frederking L, E, ev. R
Isabel Heiling L, D
David Heinze L, Ge
Marc Hilligsberg L, E
Viktoria Paul Ge, Ru, L

 


Warum eigentlich Latein?

Das Fach Latein hat im europäischen Bildungswesen eine lange Tradition. Zur Erlangung eines höheren Bildungsabschlusses gehörte Latein wie selbstverständlich dazu. Aber Tradition allein soll das Erlernen des Lateinischen keineswegs rechtfertigen! Es gibt viel gewichtigere Gründe.

Latein hilft, die eigene Sprache besser zu beherrschen.


Dass Latein bis auf kleinere Ausnahmen keine gesprochene Sprache mehr ist, also rein rezeptiv gelehrt und gelernt wird, gilt oft pauschal als Argument gegen das Erlernen. Dabei vergisst man jedoch, dass gerade Latein, besonders in Kombination mit Englisch, das Sprachverständnis der eigenen Sprache übt und verbessert, da man ja in die Muttersprache übersetzt. Durch kontinuierliches Vergleichen, Unterscheiden und Probieren beim Übersetzen lateinischer Texte wird das Können der Kinder und Jugendlichen in der fremden Sprache gefördert. Zugleich aber kommt die Zweisprachigkeit des Unterrichts auch einer Steigerung ihrer Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Sprache zugute. Sie lernen, bewusster mit ihren Aussagen umzugehen und präziser, abwechslungsreicher und stilistisch angemessener zu formulieren. Vielfach werden in der Berufswelt die unzureichenden Kenntnisse der Schulabgänger im Bereich der deutschen Sprache angemahnt. Latein kann hier als Chance begriffen werden, das eigene sprachliche Denken und Tun zusätzlich konsequent zu fördern und sicherlich auch zu fordern.


Latein hilft, die eigene Sprache besser zu verstehen und zu gebrauchen.

 

Das gilt insbesondere für die vielen Lehnwörter und Fremdwörter, die uns im Alltag und in den Medien begegnen, und noch mehr für das aus dem Lateinischen entnommene Spezialvokabular in Beruf und Wissenschaft, in Forschung und Technik. Wer mit dem lateinischen Wortschatz vertraut ist, begreift und beherrscht leichter die Terminologie der Fachsprachen, deren Verständnis bereits in der gymnasialen Oberstufe eingefordert wird.
Latein hilft, Fremdsprachen leichter zu lernen.
Viele europäische Sprachen sind aus dem Lateinischen entstanden, darunter Französisch, Italienisch und Spanisch. Wer Latein gelernt hat, lernt diese romanischen Sprachen leichter und in kürzerer Zeit. Oft vergessen wird das Englische, dessen Wortschatz ebenfalls zu über 50 % direkt oder indirekt auf das Lateinische zurückzuführen ist! Wer gründlich Latein gelernt hat, sollte in der Lage sein, z. B. einen italienischen oder spanischen Zeitungsartikel im Kontext sinngemäß zu erfassen. 
Latein vermittelt grammatische Schulung und ein vertieftes Verständnis für Sprache überhaupt. In keinem Fach der Unterstufe des Gymnasiums wird so viel über die Sprache, ihre Formen und Leistungen gesprochen und nachgedacht. Durch unablässiges Beobachten, Überprüfen, Benennen, Einordnen und Abgrenzen wird mit den sprachlichen Fertigkeiten auch das grammatische Wissen erweitert, und beim regelmäßigen Vergleichen beider Sprachen entwickelt sich ein vertieftes Verständnis für Struktur und Funktion von Sprache.

Lateinunterricht erzieht zu konzentriertem Arbeiten.


Lateinunterricht lehrt gründliches Lesen. Der Lateinunterricht nimmt sich - in jeder Stunde - Zeit zum Lesen, Denken und Formulieren. Wir lesen nicht viel, aber das Wenige genau und gründlich. Wer Latein lernt, muss genau hinsehen, exakt unterscheiden, richtig kombinieren, zielstrebig vorgehen und beharrlich bei der Sache bleiben. In einer Zeit der Hektik und Reizüberflutung verlangt der Lateinunterricht in jeder Stunde Stetigkeit und Sorgfalt, Sachlichkeit und Selbstdisziplin. Er leitet zu konzentriertem Arbeiten an und gibt damit gleichermaßen Lebenshilfe für Schule, Studium und Beruf.
Latein lieber schon vor dem Studium 
In zahlreichen Studienfächern – auch außerhalb der Geisteswissenschaften - werden ausreichende Lateinkenntnisse (Latinum) vorausgesetzt oder sogar zwingend gefordert. Wer an der Universität Latein nachholen muss, sieht sich oft vor eine schwer zu bewältigende, sehr zeitintensive Aufgabe gestellt. Oft scheitert ein Studienwunsch an dieser Hürde, immer aber führt der erhebliche Arbeitsaufwand für den nachträglichen Erwerb des Latinums an der Universität zu einer Verlängerung der Studienzeit.

Wann kann man Latein wählen?

 

Die Schülerinnen und Schüler müssen sich im Rahmen des neuen achtjährigen Gymnasiums (Abitur am Ende der 12) bereits in der 6. Klasse für die zweite Fremdsprache entscheiden. Zur Wahl stehen ihnen hier traditionell Latein und Französisch. Ab der 8. Klasse besteht die Möglichkeit, eine weitere Fremdsprache anzuwählen: für die bisherigen Lateinschüler ist dies Französisch, für die bisherigen „Franzosen“ das Fach Latein. Darüber hinaus werden Fächerkombinationen aus dem gesellschaftswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Bereich angeboten. 
Zu Beginn der gymnasialen Oberstufe in Klasse 10/EF werden Latein und Französisch als neueinsetzende Fremdsprache wiederum angeboten.
Latein ist nicht „nur“ Latinum! – Latein in der Oberstufe
Der Lateinunterricht braucht Zeit, um seinen Wert voll zu entfalten. Manches ist erst in der Oberstufe möglich, wo es um ein vertieftes Erfassen der lateinischen Literatur geht: um ihren Einfluss auf die europäische Geistestradition, um ihre Aussagen zu Moral und Verantwortung des Menschen in Gesellschaft und Geschichte, um ihre Bedeutung für die Erkenntnis der Macht und Möglichkeiten des gesprochenen und geschriebenen Wortes, der rhetorischen Kraft. Gerade aus diesen Gründen erscheint es sinnvoll, Latein auch über den Erwerb des Latinum hinaus als Fach zu belegen. Schließlich hat man gerade dann den Wissensstand erreicht, der den Umgang mit der lateinischen Sprache tiefergehend ermöglicht. Bei entsprechender Nachfrage kann also der Lateinunterricht über die „Latinumszeit“ hinaus z.B. bei Latein ab Klasse 6 in der 11/Q1 und 12/Q2 fortgesetzt und auch als Abiturfach angewählt werden.


Wann und wie erwirbt man das Latinum?


Bei Beginn mit Latein in der 6. Klasse erwerben Schülerinnen und Schüler mit mindestens ausreichenden Leistungen das Latinum am Ende der Jahrgangstufe 10/EF. Bei Lateinbeginn in Klasse 8 (3. Fremdsprache) besteht eine Anwartschaft auf das Latinum bei entsprechenden Leistungen am Ende der Jahrgangsstufe 11/Q1.
Bei Latein als neueinsetzende Fremdsprache in der Stufe 10/EF werden Kenntnisse im Rahmen des Latinum durch eine sog. 5. Abiturprüfung nachgewiesen. Auch hier sind mindestens ausreichende Leistungen erforderlich. Für einige Studiengänge sind nur „hinreichende“ Kenntnisse, früher sog. „Kleines Latinum“, erforderlich, so dass auf diese Zusatzprüfung ggf. verzichtet werden kann. Hier ist unbedingt Rücksprache mit der jeweiligen Studienberatung erforderlich. 
Das erfolgreiche Bestehen wird für alle Kursarten auf dem Abiturzeugnis bzw. dem Abgangszeugnis vermerkt und gilt an den Universitäten und staatlichen Prüfungsämtern als offizieller Nachweis des Latinum.